5.2018 - Grenzkompanie Neuenhof, neuer Besitzer

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  • 5.2018 - Grenzkompanie Neuenhof, neuer Besitzer

    Ehemalige Grenzer berichten von Waffenkammer und Material
    Rundgang durch frühere Kaserne in Neuenhof stößt auf großes Interesse. Eigentümer öffnet Türen und informiert

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    Gebäudeeigentümer Thomas Herrmann (vorn Mitte) und die Teilnehmer des Rundgangs lauschen interessiert den Erklärungen und Berichten von Rüdiger Reinhardt (rechts).
    Bis 1973 diente er als Soldat in der Kaserne Neuenhof, die er am Samstag mit vielen anderen besichtigte. Foto: Jensen Zlotowicz
    Sozialistischer und kapitalistischer Realismus liegen auf dem Areal der ehemaligen Grenzkaserne in Neuenhof eng beieinander. Einerseits in Form einiger Wandmalereien aus DDR-Tagen, als mehrere NVA-Grenzeinheiten mit jeweils etwa 120 Soldaten und Offizieren hier stationiert waren, zum anderen in den gegenwärtigen Rahmenbedingungen für die Umnutzung der vom Eisenacher Garten- und Landschaftsarchitekten Thomas Herrmann ersteigerten Immobilie.
    Unternehmer Thomas Herrmann hat Pläne für das 2,5 Hektar große Areal direkt an der Werra. Sein Ausgangsgedanke war der vom bekannten Landschaftsgärtner Eduard Petzold geschaffene Park Neuenhof.
    Der vom Schlosseigentümer Hermann von Rotenhan initiierte Landschaftspark umfasste einst auch das NVA-Areal. Daran will Thomas Herrmann wieder anknüpfen.

    Pläne zur Gebäudenutzung allerdings lassen sich derzeit nur teilweise realisieren, weil die Stadtverwaltung Eisenach für die Inbetriebnahme eines Flachbaus kein grünes Licht gibt. Solche und andere Informationen zum Anwesen gab Herrmann bei einer Art „Tag der offenen Tür“. Auslöser der Begegnung von zahlreichen Menschen mit diesem Objekt war eigentlich der Stadtverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), dessen Saisonauftakttour den ehemaligen Grenzposten zum Ziel hatte.

    Herrmann öffnete Tür und Tor am Samstag dann gleich für jedermann. Die Resonanz war groß. Ehemalige Armeeangehörige, die hier dienten, waren ebenso unter den Neugierigen, wie aktuelle und frühere Bewohner von Neuenhof und auswärtige Gäste. Das frühere NVA-Objekt ist für viele interessant, weil es bis zur Wende nur Militärangehörigen vorbehalten war.

    Michael Riese war einer von ihnen. Bis 1989 diente er als Unteroffizier an diesem Standort. 1990 war sein Armeedienst beendet.
    Er war mit seiner Erfahrung am Samstag ein gefragter Informant für Neueigentümer Thomas Herrmann, denn der möchte so viel wie möglich über die damaligen Gegebenheiten wissen.
    Auch Rüdiger Reinhardt war unter den Besuchern. Er hatte bis 1973 in Neuenhof gedient. Auch er weiß noch viel über die NVA-Vergangenheit der Immobilie, gab dies beim Rundgang auch zum Besten.


    Immobilie soll vor allem dem Tourismus dienen

    Eines der zwei ehemaligen Kasernengebäude ist seit einigen Jahren modernisiert und beherbergt unter anderem noch den Kindergarten.
    Eine Wander- und Radpension will Herrmann am Standort außerdem schaffen, will touristisch aktiv werden. Die Pläne wurden jedoch gestoppt, da das dafür vorgesehene Gebäude, die ehemalige Offiziersunterkunft, als Außengelände deklariert wurde. So bleibe es derzeit auch nur Wunsch, dass Herrmanns Frau, eine in Eisenach niedergelassene Allgemeinärztin, einmal in der Woche in Neuenhof Sprechstunde hält, informierte der Eigentümer.
    Herrmann berichtete über die Schwierigkeiten bei der Bestandsaufnahme mangels Detailunterlagen, über die moderne vollbiologische Kläranlage, an die man 300 Einwohner anschließen könnte, und weitere Vorhaben.
    So will Herrmann die ehemalige Fahrzeughalle gegenüber dem bereits sanierten Gebäude abreißen, um dort kleine Nutzgärten zu schaffen. Der Blick vom Steilufer über der Werra gen Westen ist traumhaft, jedoch von alten Bäumen eingeschränkt.
    Der Standort bietet dennoch Lagequalität.
    Die früheren Hundezwinger der beiden Grenzkompanien begutachteten die Besucher ebenso wie das Innere der unsanierten Kaserne mit reichlich sozialistischem Armeecharme.
    Michael Riese und Rüdiger Reinhardt hatten auf dem Rundgang Interessantes aus dem DDR-Grenzeralltag und vom Gesamtobjekt zu erzählen, von Küche, Waschräumen und militärischer Handelsorganisation, von Waffenkammern, und heute fehlenden Trennwänden, von Menschen, Material und Gedenktafel.

    Eigentümer Thomas Herrman will in kleinen Schritten vorwärts kommen, denkt, plant, kalkuliert. Jede Investition muss sich im kapitalistischen Realismus rechnen.


    Jensen Zlotowicz / 08.05.18 TA-Zeitung
    Danke und Grüße
    Thomas