07.02.2018 – Gedenken an die Mauertoden in Gotha

  • 07.02.2018 – Gedenken an die Mauertoden in Gotha

    Beide haben ihre Gräber auf dem Hauptfriedhof. Einer starb als Grenzsoldat, einer bei der Flucht nach Westberlin

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    Der Gedenkstein für Uwe Andreas Dittmann ist neu errichtet. Gestern gedachte die Stadt Gotha des Mannes, der als Grenzsoldat erschossen wurde. Foto: Claudia Klinger

    Gotha. Die Gedenkstätte Berliner Mauer in Berlin hat am 5. Februar daran erinnert, dass die Mauer an diesem Tag genauso lang verschwunden ist, wie sie gestanden hat.
    Die am 13. August 1961 von der DDR errichtete Mauer in Berlin und die mit Stacheldraht und Schussanlagen gesicherten Grenzanlagen in Berlin trennten die Deutschen über 10 315 Tage.
    „Unser zweimaliger Kurd-Laßwitz-Stipendiat, Reinhard Griebner aus Berlin, hat mich auf die Gedenkveranstaltungen in Berlin aufmerksam gemacht“, sagte Knut Kreuch (SPD), Gothas Oberbürgermeister. „Wir haben das zum Anlass genommen, an die beiden Bürger der Stadt zu erinnern, die durch Mauer und Stacheldraht ihr Leben ließen.
    “ Knut Kreuch legte am Dienstag Kränze an den Gräbern der Männer auf dem Hauptfriedhof in Gotha nieder.
    Einer von ihnen ist Uwe Andreas Dittmann.
    Er wurde am 22. März 1985 um 5.20 Uhr in der Nähe von Wartha von dem aus der Kaserne Nohra desertierten sowjetischen Soldaten Waleri Kirjuchin erschossen, der versucht hatte, sich in die Bundesrepublik durchzuschlagen.
    Uwe Andreas Dittmann wurde am 8. August 1964 in Gotha geboren und starb mit 20 Jahren. Er war als Wehrpflichtiger zu den Grenztruppen der DDR eingezogen.
    Uwe Andreas Dittmann ist in einem Familiengrab beigesetzt, das bereits aufgegeben war.
    Für ihn wurde auf dem Familiengrabplatz jedoch wieder ein Gedenkstein gesetzt, der vom Steinmetzbetrieb Naturstein der Bestattungsinstitut Gotha GmbH auf eigene Kosten angefertigt worden ist.
    Ein Opfer an der Berliner Mauer wurde Rainer Liebecke.
    Der am 11. September 1951 in Gotha geborene Autoschlosser starb auf der Flucht nach Westberlin am 3. September 1986 beim Durchschwimmen des Sacrower Sees in der Nähe von Potsdam.
    Rainer Liebecke ruht ebenfalls in einem Familiengrab.
    Seine Schwester, Beate Bonsack, gedachte gestern gemeinsam mit Knut Kreuch ihres Bruders. „Ich freue mich, dass sein Andenken auch in Gotha bewahrt wird“, sagte sie.
    Claudia Klinger / 07.02.18

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    Danke und Grüße
    Thomas
  • Kennt jemand den Namen des damaligen Postens vom Gefreiten Dittmann ?
    Der 22.3. ist nicht mehr weit hin. Die letzten Jahre lagen keine Blumen mehr an der B 7a.
    Das Gedenken in Gotha durch die Stadtoberen sowie das Anfertigen und Aufstellen eines Gedenksteines finde ich sehr bemerkenswert.
    Das dürfte einmalig sein im Osten. Im Dorfmuseum Stockhausen bei Eisenach ist eine kleine Gedenkecke für D. gestaltet. Dort wurde ich daran erinnert, daß er postum zum Unteroffizier befördert und mit dem Kampforden in Bronze ausgezeichnet worden ist (in der Zeitung "Volksarmee" veröffentlicht).
    Welche Beziehung D. zu Stockhausen hatte, ist nicht ersichtlich.
    Bernd
  • Hier noch eine Mail von Dr. Jochen Staadt. (FU Berlin)
    Da kann man lesen, der Posten hieß Michael P.
    Das Käppi von Uwe Dittmann, mit Blutspuren und seitlich aufgerissen, lag in der Kaserne Stockhausen im Traditionskabinett in einer Vitrine.



    Vielen Dank für Ihre interessanten Hinwiese. Aus einer Meldung des MfS an Sekretriat Neiber geht folgende zusammenfassende Darstellung hervor.
    Die Namen haben wir anonymisiert:

    An der südlichen Begrenzung der GÜSt Wartha lösten Posten 2, X und Y, die zur SiK GÜSt Wartha gehörten ein Signalgerät aus. Kirjuchin flüchtete mit
    dem Fahrzeug in Richtung Hörschel. Er durchbrach einen Kontrollposten der Volkspolizei und fuhr durch die Ortschaft wendete am Ortseingang Neuenhof
    und kam mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Hörschel zurück. Gegen 2.40 Uhr stellte Soldat der 8. GK Z. fest, daß das Fahrzeug wieder zurückkam und
    Neuenhof passierte, den Ort Wartha passierte und die durch Grenzposten gesicherte Brücke Wartha. Er kehrte wieder um und fuhr wieder nach Hörschel.
    Dabei raste er mit dem Auto auf Grenzer zu, die ihn stoppen wollten und durchbrach die Kontrollstelle. Nach weiterer Irrfahrt, stellte Kirjuchin das
    Fahrzeug ab und flog zu Fuß in Richtung GÜSt Wartha. Hier wurde er durch die Posten Gefr. A. und Soldat B. entdeckt. Sie verließen ihren Beobachtungsturm,
    was Kirjuchin bemerkte. Er eröffnete sofort das Feuer auf die Posten, die sodann das Feuer erwiderten. Kirjuchin floh über ein Feld in Richtung ehemaliger Transitstraße. Er warf seinen Wintermantel und die Mütze weg. Die zur Abriegelung an der Straße eingesetzten 5 Grenzer des Stabes II. GB /GR-1 entdeckten
    gegen 04.23 Uhr den Flüchtenden. Sie lagen an der Böschung der Straße am ehemaligen Transit-VK der DVP Deubachshof, 450 m nordwestlich von Deubachshof.
    Als sie ihre Waffen entsicherten, wurde er auf sie aufmerksam und eröffnete das Feuer. Dabei wurde der Gefreite Uwe Dittmann durch Schüsse in Kopf und
    Brustbereich tödlich getroffen. Auch der Soldat Michael P. wurde an der Magazintasche getroffen aber nicht verletzt.
    Die Grenzer schossen auf den Flüchtenden und trafen ihn in den Rücken.

    Im Orginal der Meldung ist statt Deubachshof Deubesbach angegeben, das war wohl ein Übermittlungsfehler.

    In einer Tagesmeldung der HA I des MfS an Mielke, Hoffmann, Krenz u.a. hieß es: "Am 22.3.1985, gegen 3.45 Uhr kam es im SiA VIII des GR-1 Mühlhausen, GKS , an der ehemaligen Kontrollstelle Stedtfeld, Krs. Eisenach, zu einem Schußwechsel mit einem Angehörigen der GSSD, bei dem der Gefr. Dittmann, Uwe (20), geb. am 8.8.1964, GT seit II/83, GWD, Postenführer, Stab II. GB, Gr-1 schwere Verletzungen erlitt, an deren Folgen er kurz darauf im Krankenhaus Eisenach verstarb.
    Der Angehörige der GSSD hatte, als er auf das Postenpaar stieß, sofort das Feuer eröffnet und anschließen die Flucht ergriffen.“

    Wir haben festgestellt, daß es häufig voneinander abweichende Meldungen über Zwischenfälle an der Grenze gibt, wir versuchen immer die Darstellungen in Deckung zu bringen. Es gelingt freilich nicht immer.
    Mit freundlichen Grüßen

    Von J. Staadt

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    Mai 1988 - Juli 1988 GAR-7 Halberstadt
    Juli 1988 - Oktober 1989 SiK Güst Wartha
  • Vielen Dank für deine Mühe, uns diesen Bericht zur Kenntnis zu bringen.
    Endlich ist der Ort der Tötung genau beschrieben: 450m nw Deubachshof an der B 7a, etwa alte Minol-Tankstelle, heute Tischlerei. Der K. kam den Hang linkerseits von der GÜST herunter und schoß Richtung Straße, sicher aus ziemlich kurzer Entfernung. Daß die beiden in Kopf, Brust und Magazintasche getroffen wurden, zeigt, daß sie nicht lagen, sondern standen, noch dazu im Schein der Strassenlampen (März, 3.45 Uhr). Die Aussage, sie hätten geschossen und den K. im Rücken getroffen, halte ich für unsinnig. Dieser starb erst auf der Werrabrücke am Wasserwerk, wahrsch. Selbsttötung.
    Was kann man tun, um den Anhang lesen zu können ?
    Nochmal vielen Dank, ossi.
    Bernd
Trauerband